15.12.2013 - 1000 Titel mehr! Erweiterte Neuauflage der Feldenkrais Bibliothek ist online

1000 weitere Titel verzeichnet die erweiterte Neuauflage der Feldenkrais Bibliothek, die wir heute veröffentlichen. Mit nunmehr ca. 2500 Titeln stellt es das umfassendste Nachschlagewerk zum Thema dar. Es kann wie zuvor kostenlos als PDF-Download unter Feldenkrais Bibliothek auf dieser Webseite aufgerufen werden.

Als im Herbst letzten Jahres die erste Fassung online ging, lag der Gedanke an einer Erweiterung bereits nah. Dies betraf vor allem den Bereich der Zeitschriften, die jetzt verstärkt mit Aufsatz- und Autorentiteln erfasst wurden. Die Neuauflage enthält nun erstmals sämtliche Ausgaben des Feldenkrais Forum, die vollständig ab Heft 1 (1985) erfasst sind. Ermöglicht wurde dies vor allem durch unsere Trainerin Susanne Schönauer, die selbst einige Jahre die Redaktion leitete und uns eine Vielzahl der Hefte aus ihrem Archiv für die Bibliographie zur Verfügung stellte. Dank auch an Karin Kohler vom Verband, die einige Ergänzungen zu den ersten Ausgaben beisteuern konnte. Die Hefte sind jeweils alphabetisch nach Autorennamen erfasst, um das Auffinden der Artikel zu erleichtern. Die Titelerfassung der Magazine eröffnet dem Leser die Möglichkeit, Informationen zu bislang wenig beachteten Aspekten der Methode zu gewinnen. So finden sich Artikel zu Themen wie Feldenkrais und Tango, Tennis, usw., die bislang keinen Eingang in andere Medien (Bücher und Multimediaprodukte) gefunden haben. Auch zur Bereicherung aktueller Diskussionen - erwähnt sei nur die jahrelange Kontroverse um ein Curriculum - finden sich viele Beiträge, die als Anregung für eine Ergebnsfindung genutzt werden können. Durch den Zuwachs an Zeitschriftenartikeln wurde das entsprechende (6.) Kapitel zur besseren Übersicht nun in deutsch- und fremdsprachige Titel aufgeteilt.

Ein weiterer Bereich betrifft wissenschaftliche Publikationen, die nun verstärkt ebenfalls Eingang in die Bibliographie gefunden haben. Neu ist ferner das Unterkapitel Feldenkrais und Senioren (Kap. 3.3), wo in nächster Zukunft wohl ebenfalls eine Reihe neuer Publikationen zu erwarten ist. Aktuelle Übersetzungen der Werke Moshé Feldenkrais ins Griechische, Polnische und Russische dokumentieren zudem das global anhaltende Interesse an der Methode.

Auch weiterhin bleibt die Feldenkrais-Bibliothek ein work in progress. Sie dient dazu, den Austausch der an dem Thema interessierten Personen, Institutionen, Verbände und Verlage zu befördern. Wir freuen uns, wenn Sie uns künftig auf Neuerscheinungen hinweisen, ergänzende Angaben machen oder auf Werke verweisen, die wir bislang übersehen haben sollten. Muster- und Rezensionsexemplare, die Sie uns senden, fügen wir wie zuvor in die öffentliche zugängliche Feldenkrais-Bibliothek in unserem Seminarhaus in Mechernich einfügen. Die Versandadresse lautet: Inga Paas & Uwe Husslein, Subbelrather Str. 301, 50825 Köln. Aber nun genug der Vorrede. Verschaffen Sie sich Sie sich selbst einen Eindruck der online-Bibliothek. Viel Spaß beim Stöbern!

03.10.2012 Die Feldenkraisbibliothek

Manche Mythen halten sich ja hartnäckig. Dazu zählt auch die Spezies des Kölners, der 1. eingeborener Karnevalist 2. FC Fan und 3. Katholik zu sein hat. Folgerichtig sollte dieser auch an die unbefleckte Empfängnis glauben. Und ähnlich wie die Jungfrau zum Kinde kam, ging es mir mit dieser Feldenkrais-Bibliothek. Noch vor Jahresfrist wären mir zu Moshe Feldenkrais nur ein oder zwei Sätze eingefallen, aber schon die Abkürzungen ATM oder FI hätte ich wohlmöglich eher mit den Autokennzeichen böhmischer Dörfer identifiziert. Kurzum: Es war für einen Feldenkrais-Laien wie mich schon recht mutig, im Zuge der Diskussion um die Neugestaltung der Webseite das Thema einer Feldenkrais-Bibliographie in den Ring zu werfen.

Die Idee war allerdings nahe liegend. Es gab - das hatte ein Durchschauen vergleichbarer Seiten ergeben – nichts Derartiges. Die verdienstvollen bibliographischen Arbeiten von Mark Reese lagen bereits fast zwanzig Jahre zurück. In der Zwischenzeit war Feldenkrais zu einem globalen Phänomen geworden - mit einem entsprechenden Output an Büchern, CDs und DVDs. Mein recht unvoreingenommener Blick auf die bunte, weite Welt der Feldenkrais-Publizistik hatte allerdings auch ein gutes: hätte ich auch nur annähernd geahnt, wie viele Titel tatsächlich existieren, ich hätte wohl möglich diese Arbeit gar nicht erst angefangen. Kalkulierte ich anfangs noch mit maximal 300 Titeln, waren es am Ende rund 400 Bücher, 10 Zeitschriften, rund 130 Hefte mit ca. 800 Artikeln sowie 280 Multimedia Produkte. Feldenkrais-Interessenten – egal ob Laie, Student, practitioner oder Trainer – soll hier ein Referenzwerk an die Hand gegeben werden, mit der die Bandbreite und Vielfalt bisheriger Feldenkrais Publikationen erkundet werden kann.

Neben deutschen und englischen Ausgaben finden sich hier auch Titel in Italienisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Niederländisch. Neben bibliographischen Angaben zu Verlag, ISBN, Einband, Ausstattung und Lieferbarkeit geben kurze Angaben zu Autor und/oder Inhalt sowie vereinzelte Abbildungen einen ersten Einblick in das genannte Werk. 6 Kapitel mit 19 Unterkapiteln sollen die Zuordnung und das thematische Suchen erleichtern. Die beiden ersten Kapitel – Moshe Feldenkrais´ Buchpublikationen sowie allgemeine Einführungen zur Feldenkrais-Methode sind nun online gestellt und als PDF abrufbar. Die übrigen Kapitel folgen im November (Kap. 3-4) bzw. Dezember (Kap. 5-6) dieses Jahres.

Die Feldenkrais-Bibliothek versteht sich als work in progress. Sie dient dazu, den Austausch der an dem Thema interessierten Personen, Institutionen, Verbände und Verlage zu befördern. Wir freuen uns, wenn Sie uns künftig auf Neuerscheinungen hinweisen, ergänzende Angaben machen oder auf Werke verweisen, die wir bislang übersehen haben sollten.

Muster- und Rezensionsexemplare, die Sie uns senden, werden wir in die öffentliche zugängliche Feldenkrais-Bibliothek in unserem Seminarhaus in Mechernich einfügen. Die Versandadresse lautet: Inga Paas, Subbelrather Str. 301, 50825 Köln.

Aber nun genug der Vorrede. Verschaffen Sie sich Sie sich selbst einen Eindruck der online-Bibliothek. Viel Spaß beim Stöbern!

01.11.2012 Die Feldenkrais Bibliothek, Teil 2

Zunächst einmal vielen Dank für die zahlreichen Rückmeldungen, die uns nach dem Einstellen des ersten Teils der Bibliographie erreichten. Die Mails kamen nicht nur aus Deutschland. Absender aus Österreich, Schweiz, Italien und Belgien, Neuseeland, Australien, Argentinien, USA und Kanada zeigen einmal mehr, wie international die Feldenkrais-Gemeinschaft ausgerichtet ist.

Teil II dieser Bibliographie, der heute online geht, umfasst zwei Kapitel, die als PDF abrufbar sind. Kapitel 3 katalogisiert Bücher, die verschiedene Aspekte der Feldenkrais Methode in den Fokus nehmen. Sie sind in sechs Unterkapitel (Feldenkrais und Sport, Feldenkrais und Musik usw.) geordnet und enthalten deutschsprachige als auch fremdsprachige Titel. Kapitel 4 umfasst deutsche als auch englische Bücher, die die Feldenkrais Methode im Kontext anderer Methoden von body/mind work darstellt. In Anbetracht der Fülle der Bücher aus diesem Segment kann dieses Kapitel nur eine Auswahl bieten. Der dritte und letzte Teil der Bibliographie wird wie angekündigt am 01.12.2012 online gehen.

Bedanken möchte ich mich auch bei den Verlagen und Autoren, die uns jetzt schon Muster und Rezensionsexemplare ihrer Arbeit gesandt haben: blv Verlag (München); Hans Huber Verlag Bern, Loeper Literatur Verlag, Karlruhe; Trias / Thieme Verlag Stuttgart, NP Verlag Wien, Christian Waas (Deggendorf), Alan Questel (Santa Fe).

01.12.2012 Finale! Die Feldenkraisbibliothek

Geschafft – mit den Kapiteln 5 & 6 gehen heute die beiden letzten Teile der Feldenkraisbibliothek online. Als ich im Sommer die Arbeit an der Bibliographie begann, hätte ich mir diesen Umfang kaum vorstellen können – insbesondere trifft das auf den Bereich Multimedia (Kap 5) zu. Tatsächlich haben CDs und DVDs quantitativ die Titelzahl der Bücher schon weit überholt. Speziell in den USA ist die Zahl der Multimediaprodukte in den letzten zehn Jahren geradezu explodiert. Diese Entwicklung ist sicher einer technisch heute recht einfach zu handhabenden Form digitaler Vervielfältigung geschuldet, allerdings bleibt kritisch anzumerken, dass Masse keineswegs immer Klasse heißt. Kenntnisse in der Feldenkrais-Methode und deren Vermittlung bedeutet ja mitnichten gleich auch entsprechendes Knowhow in der Produktion von Audioprodukten. In technischer Ausführung, Aufnahmequalität, Schnitt, Dramaturgie und Regie sind einige Multimediaprodukte verbesserungswürdig. Wie bei Buchverlagsprodukten sollten auch bei den oft selbst verlegten Multimediaprodukten m.E. bestimmte Qualitätsstandards selbstverständlich sein.

Kapitel 6 widmet sich den Feldenkrais-Zeitschriften und hier vor allem den Verbandspublikationen. Einige Zeitschriften wie z.B. die deutschsprachige Feldenkrais Zeit oder die US Publikationen Feldenkrais Journal und Somatics sind hier mit allen Ausgaben, Artikeln und Autoren gelistet. Wünschenswert wäre es, diesen Bereich bei künftigen Updates der Bibliographie auszubauen und auch andere Zeitschriftentitel komplexer zu erfassen. Um dies zu bewerkstelligen, bedarf es aber entsprechender Informationen, u.a. auch von Verbandsseite. In diesem Sinne hoffe ich auch künftig auf Rückmeldungen, Anregungen, Ergänzungen von Autoren, Verlagen und Verbänden – denn nur so kann dieses Werk dem Anspruch genügen, ein für alle Feldenkrais-Interessenten relevantes Referenzwerk zu sein. Dank an dieser Stelle allen, die mich bei der Erstellung der Bibliographie unterstützt haben.

28.10.2015 Doch kein Hokuspokus? – Eine Biographie von Christian Buckard über Moshé Feldenkrais

Im Herbst 1956 bot sich für Moshe Feldenkrais eine einmalige Chance. Durch Vermittlung eines Freundes machte er die Bekanntschaft des damaligen israelischen Staatspräsidenten Ben Gurion, der seit langem an Rückenschmerzen litt. Gurion hatte bereits eine lange Odyssee bei verschiedenen Schulmedizinern hinter sich – ohne Erfolg. Von Feldenkrais erhoffte sich der Premier praktische Hilfe, allerdings argwöhnisch betrachtet von dessen Ehefrau Paula, einer ausgebildeten Krankenschwester, die Moshe sogleich mit dem wenig schmeichelhaften Spitznamen „Mr. Hokuspokus“ belegte.

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Mr. Hokuspokus war auch der Titel eines bereits 2011 ausgestrahlten einstündigen Radiofeatures des Berliner Autors Christian Buckard über Moshé Feldenkrais. Dieses Portrait wurde zum Ausgangspunkt weiterer Studien zum Leben des Begründers dieser Bewegungslehre, die nun seit September in Buchform vorliegen. Obwohl bereits seit rund 50 Jahren weltweit Trainings in der Feldenkraismethode angeboten werden und zahllose Lektionen dieses Lehrers in Audioform, als Transkription oder Video veröffentlicht wurden, blieb der Lebensweg Moshés weitgehend im Dunkeln. Entsprechend postuliert der Autor dieser weltersten Feldenkraisbiographie seinen Anspruch, den „Mensch hinter der Methode“ beleuchten zu wollen, schon im Untertitel des Buches. Und in der Tat dürfte ein Leben auf drei Kontinenten und das Erleben zweier Weltkriege an den Schnittstellen zwischen der Autokratie des Zarismus, der Oktoberrevolution des Bolschewiki, Judenpogromen und dem aufkeimenden Faschismus, westlichen Demokratien vor und nach dem 2. Weltkrieg und der Gründungsgeschichte des späteren Staates Israel allein schon genügend Stoff für eine Verfilmung à la Hollywood bereitzuhalten.

Auf rund 330 Seiten, die ergänzt werden von einem Anmerkungsapparat, Zeittafel, Literaturverzeichnis und Register, wird hier das Leben eines Menschen dargestellt, der als Augenzeugen einzigartiger Veränderungen, Brüche und Umwälzungen des 20. Jahrhunderts gelten darf. Für Feldenkraisler womöglich überraschend widmet der Autor die Hälfte der 24 Buchkapitel den Jahren vor der Entwicklung seiner Bewegungslehre - sie umfasst die Zeit von Moshés Geburt 1904 im ukrainische Slavuta, seine frühe vom chassidischen Judentum und Pogromen geprägte Kindheit bis zum Ende des II. Weltkriegs. Schon als Jugendlicher begeistert sich Feldenkrais für die zionistische Bewegung, lernt Hebräisch und macht sich im März 1919 auf eine abenteuerliche Reise über Polen, Wien, Triest und Fiume in Kroation nach Palästina. Moshé gehörte damit zur dritten Welle (Alijah) jüdischer Einwanderer, die zwischen 1919 und 1923 ca. 40.000 vorwiegend osteuropäische Juden in das damals spärlich besiedelte Palästina brachte. Tel Aviv war damals noch eine Kleinstadt von 2000 Einwohnern als Moshé sich dort als Bauarbeiter verdingte und am Aufbau der Stadt mitwirkte. Seine Freizeit verbringt er mit Sport, er macht sein Abitur nach (1925) und lernt seine spätere Frau Yona Rubenstein kennen, bevor er im Februar 1926 als Landvermesser im Auftrag der britischen Mandatsverwaltung angestellt wird. Erstmals kann er nun ein eigenes Haus beziehen, ein vergleichsweise sorgenfreies Leben führen und seine Familie in Baranowicze unterstützen.

Ungeachtet seiner Anstellung bei den Briten wird er schon früh Mitglied der jüdischen Selbstverteidigungsorganisation Hagana. Als Augenzeuge der sog. Jaffa Unruhen 1921 wird Moshé gewahr, dass traditionelle Kampftechniken wie Jiu Jitsu in den Straßenkämpfen gegen die arabische Bevölkerung nur wenig tauglich schienen. So entwickelt er eine eigene modifizierte Jiu Jitsu Technik mit dem Ziel, die Angst vor lebensbedrohlichen Situationen zu überwinden. Dabei greift Moshe auf instinktive Verhaltensmuster zurück, die bei einem Angriff auf die eigene Person eingenommen werden und nimmt diese zum Ausgangspunkt einer im Straßenkampf erfolgreichen Selbstverteidigungspraxis. Die so entwickelten Übungen bilden die Grundlage für Moshes erste Monographie, das eher als militärisches Handbuch denn als Sportfibel gelesen werden kann. Der Einfluss von Coupés Lehre der Autosuggestion, mit der sich Feldenkrais in den Jahren zuvor intensiv befasst hatte, auf dieses Kampfsportbuch bleibt in dieser Biographie leider unerwähnt. Moshe selbst war sich der Gefahr, die mit der Publikation dieser Kampfschrift unter britischer Mandatsherrschaft verbunden war, durchaus bewusst. Sie hätte ihm ganz sicher nicht nur die Anstellung bei den Briten gekostet, sondern ganz sicher auch weitere Verfahren eingebracht, und so schiffte er sich mit Abgabe des Manuskripts im Oktober 1930 ein, um in Frankreich ein Ingenieursstudium aufzunehmen.

Als Quelle für die Darstellung der ersten drei Lebensjahrzehnte dienen dem Autor vor allem bis dato unveröffentlichte autobiographische Aufzeichnungen Moshes, die dieser als knapp Achtzigjähriger unter dem Titel „My Story“ auf Englisch niederschrieb sowie ein ebenfalls im Feldenkrais Family Archive befindliches Interview-Audiotape - aufgezeichnet von Eva Kirschner. Da weitere Quellen – vor allem von Zeitgenossen - gerade aus den frühen Jahren Moshes kaum überliefert sind, sollte im Sinne historisch-wissenschaftlicher Erkenntnis manche seiner Äußerungen quellenkritisch betrachtet und analysiert werden, ein Aspekt, der m. E. ein wenig akzentuierter in diesem Buch hätte thematisiert werden können. Dies gilt gleichermaßen für einige vom Autor der Biographie kolportierte Klischees („traditionell antisemitische Polen“) und die zum Teil etwas tendenziöse Darstellung der Besiedlungsgeschichte Palästinas vor dem II. Weltkrieg.

In Paris angekommen beginnt Feldenkrais ein dreijähriges Studium an der technischen Hochschule ESTP, das er im Mai 1933 mit dem Diplom abschließt. Später arbeitet er als Promotionsstudent an der Sorbonne bei dem französischen Forscherehepaar Curie an der künstlichen Erzeugung von Radioaktivität und der Entwicklung eines Teilchenbeschleunigers. Im September 1933 lernt er in Paris den Begründer des Judo, Jigoro Kano kennen, der von den ihm unbekannten Elementen von Moshes Kampsport beeindruckt ist und ein Vorwort für die 1935 erschiene französische Ausgabe von Moshes Jiu Jitsu Buch beisteuert. Moshe selbst begeistert sich für die neue fernöstliche Kampfsportart, er gründet den ersten Judo Club Frankreichs und erhält als erster Europäer den Schwarzen Gurt. Die fernöstlich spirituell ausgerichtete Lehre des Judo vermittelt er dabei aus einer streng wissenschaftlichen Perspektive unter Berücksichtigung mechanischer Gesetze und psychologischer Kenntnisse.

Mit einem Truppentransporter erreicht Feldenkrais im Juni 1940 Southamton in England, wo er in Portland in den Dienst eines Forschungszentrums für den Anti-U-Boot Krieg eintritt. Nach Kriegszerstörungen wird die Abteilung ins schottische Fairlie verlegt, wo Moshe Judokurse für Arbeitskollegen und die örtliche Heimwehr gibt, die 1942 zur Veröffentlichung des Handbuchs "Practical Unarmed Combat" führen. Nach einer Knieverletzung, bei dem das Kreuzband riss, begann Moshe mit dem Entwickeln seiner Lernmethode, um einem operativen Eingriff zu entgehen. Seine Erkenntnisse formuliert er in einer Vortragsreihe vor Arbeitskollegen – sie bilden die Grundlagen für sein erstes Buch, wo er die neue Lernmethode beschreibt: „Body & Mature Behaviour“ (Der Weg zum reifen Selbst), das 1949 erschienen wird.

Ab Mitte der 30er Jahre werden die Quellen, auf die Buckard bei seinen Recherchen zurückgreifen konnte, vielfältiger. Neben Kanos Dokumenten sind das vor allem Interviews, die Garet Newell mit der Feldenkrais-Schwester Malka oder Moshés Arbeitskollegen wie David Boston oder Bill Halliday geführt hat. Besonders aufschlussreich und interessant sind hebräischsprachige Zeitungsdokumente ab den 50er Jahren, die der Autor ausgewertet und einer breiten Öffentlichkeit erstmals zugänglich gemacht hat. Damit eröffnet er manch neuen Blick auf Leben und Werk dieses Bewegungslehrers.

Moshé lernte 1950 den israelischen Chemiker Alon Talmi in London kennen, dessen Ischias er ebenso erfolgreich kurierte wie die Nervenerkrankung von Alons Bruder in Israel. Talmi, der später zu Moshés erster Studentengruppe zählte, wurde nun zum eifrigen Fürsprecher Moshés in Israel, und er ermutigte ihn zur Übersiedlung nach Tel Aviv. Dort angekommen arbeitete Feldenkrais zunächst als Wissenschaftler für die israelische Armee und gab zunächst Kurse im Salon des Chemikers Avraham Baniel,Vater der bekannten Bewegungslehrerin Anat Baniel, bevor er sich ab 1953 beruflich ganz der Vermittlung seiner Lernmethode widmete und im Folgejahr mit den regelmäßigen Gruppenkursen in der Alexander Yanai Straße begann.

Die beiden Kapitel „Moshés großer Plan“ und „New York“ bergen die vielleicht spannendsten Momente in diesem Buch – sie beschreiben Feldenkrais vergebliche Versuche einer staatlichen Anerkennung seiner Lernmethode. Der Kontakt zum Premierminister Ben Gurion, dem er den Kopfstand beibrachte, war 1957 nicht nur ein geschickt inszenierter Mediencoup, der Feldenkrais in Israel schlagartig bekannt machte, sondern sollte auch zur Etablierung seiner Methode in Form einer Institutsgründung dienen. Ausgerüstet mit einem Empfehlungsschreiben Gurions reiste Feldenkrais im August 1958 nach New York, um Kontakt zu wissenschaftlichen Institutionen und potentiellen Geldgebern aufzunehmen. Während die Hoffnung auf finanzielle Unterstützung durch die zionistische Weltorganisation sich zerschlug, erhielt Feldenkrais von einem New Yorker Krankenhaus, wo er vorstellig wurde, zumindest die Wirksamkeit der Methode attestiert – verbunden mit einem Kooperationsangebot mit einem noch zu gründenden staatlichen Instituts in Israel. Mangelndes taktisches Geschick und die Unfähigkeit kluge Allianzen zu schmieden - so lehnte es Feldenkrais beispielsweise ab, sein Institut als Teil des 1957 eröffneten Wingate Instituts für Sport und Körpererziehung zu etablieren - standen seinem Ansinnen jedoch im Wege. Zwar wurde formal 1961 die Gründung eines „Instituts zur Anpassung von Körper und Geist“ unter Leitung von Gurion und Feldenkrais angekündigt, doch real passierte wenig. Nach Gurions Rücktritt als Ministerpräsident 1963 werden im Folgejahr die steuerlichen Privilegien gestrichen und das nur auf dem Papier existente Institut aufgelöst. Einmal mehr stand Moshé mit leeren Händen dar. Bemerkenswert daran ist die Tatsache, dass die Frage staatlicher Anerkennung bereits in dieser Inkubationsphase der Methode als Problem erkannt wurde.

An der Schwelle zum Rentenalter stellte sich Moshé der Frage nach dem Vermächtnis seiner Methode. Er begann nun eine verstärkte publizistische Tätigkeit: 1964 erschien auf Hebräisch eine erste Aufsatzsammlung und 1967 im Verlag seines Bruders „Bewusstheit durch Bewegung“. Schließlich versammelte er 1969 zunächst 17, später 13 Studenten an jeweils fünf Wochentagen für täglich ein bis zwei Arbeitsstunden für ein erstes Training unter seiner Leitung. Die Tatsache, dass die Absolventen dieses Trainings nach dem Abschluss 1971 zwei Jahre auf ihre Urkunden warten mussten, mag man Moshés Idee des lebenslangen Lernens entschuldigen, sie zeugt allerdings von einem manchmal etwas nachlässigem Umgang in Hinblick auf die Etablierung der Methode – zumal sich selbiges auch beim Training in San Francisco wiederholen sollte. Ebenso versäumte er es, Curricula für die Ausbildung künftiger Feldenkraislehrer zu entwickeln, so dass die Frage einer staatlichen respektive institutionalisierten Anerkennung diese Lernmethode wie ein roter Faden seit den 50er Jahren begleitet. Dessen ungeachtet war die zunehmende Aufmerksamkeit der Methode in den 70er und 80er Jahre gegenüber vor allem dem Zeitgeist geschuldet. Die USA und speziell Kalifornien galten damals als Mekka der Alternativkultur und es verwundert daher nicht, dass Moshé in seinen letzten Lebensjahren vor allem dort Kurse und Trainings abhielt.

Christian Buckard: Moshé Feldenkrais. Der Mensch hinter der Methode. Berlin 2015. Berlin Verlag. ISBN 978-3-8270-1238-8 geb. mit OU, 366 S. mit s-w Fotos, Anmerkungsapparat, Zeittafel und Register. Nachwort von Lea Wolgensinger.

Englische Version

October 03, 2012 The Feldenkrais Library

The idea for this book came up quite accidentally. In June 2012 Inga Paas, Feldenkrais practitioner and photographer from cologne and myself started thinking about doing a relaunch of the Feldenkraiszentrum´s website. Browsing through other sites to get some ideas it became obvious that in most cases there were only few notes on books and audio/videotapes, but there was no actual overview on Feldenkrais related materials available.

In the past decades Feldenkrais has indeed become a global phenomenon. This Feldenkrais library relates to this international dissemination by not only cataloguing Feldenkrais material in German but in foreign languages as well. This book also covers editions in English, Hebrew, French, Italian, Spanish and Portuguese. With about 400 books, 130 magazines and 800 articles and 280 multimedia products (audio/video) this resource directory is currently the most comprehensive book of reference. By publishing this book we hope to supply anybody - layman, student, practitioner or trainer - interested in the Feldenkrais method with some useful information for their work or education.

The Feldenkrais Library not only embodies the names of authors, titles and the date of publication but also gives information on the publisher, the printing history and bookbinding, ISBN and availability of the material. To ease the reading we incorporated some photos of various book covers. Annotations offer furthermore information on the author and/ or the content of the book. Six chapters with a total of nineteen subchapters facilitate the task of searching for special Feldenkrais topics. The first two chapters – publications by Moshe Feldenkrais and general introductions to the Feldenkrais method – are online now. The other chapters will follow in November (chap. 3-4) and December (chap. 5-6).

This resource directory is a work in progress. Please feel free to send leads for missing titles or upcoming publications. Supplements and suggestions are always welcome and will make further updates more comprehensive.

Authors or publishers of Feldenkrais related material can send free samples for the reference library at Feldenkraiszentrum Chava Shelhav, which is open to the public. (maling address: Inga Paas, Subbelratherstr. 301, 50825 Köln / Germany, info@ingapaas.de)

Enjoy the reading!

December 15, 2013 - 1000 more Titles! Revised and enlarged edition of the Feldenkrais Library online.

This new, revised edition of the Feldenkrais Library includes an additional thousand titles compared to its forerunner. With about 2500 titles in stock (articles enclosed) this resource directory is currently the most comprehensive book of reference. It is available as free PDF Download on our website.

When the first edition went online last autumn the idea of an enlarged version was already in the air. This concens basically the magazine chapter where a lot of authors´ names and titles were supplemented. The new edition includes all issues of the German Feldenkrais Forum from 1985 onwards with these detailed information. We convey our thanks to Susanne Schönauer, now a trainer and formerly the magazine´s managing editor for a couple of years, who supplied us with the necessary issues from her archive. Also Karin Kohler, staff member of the German guild, helped with complementray information on the very first issues of the magazine. To facilitate orientation each issue lists the authors´ names in alphebetical order. By listings all these articles the reader can get information on specific aspects of the method which were rarely described anywhere else. Here you find articles on topics such as Feldenkrais and Tennis or Tango which are yet not published in book- or multimedia-format (DVDs or CDs). Due to the increasing number of magazine articles the chapter (6.) was divided in a german and foreign language section.

The revised edition also features numerous scientific papers on the Feldenkrais method. Also new is a chapter on Feldenkrais and seniors (3.3), and we expect a couple of new publications on this topic in the near future. Recent translations of Moshés´work in Greek, Polish and Russian document an ongoing global interest in the method.

This resource directory is still a work in progress. By publishing this book we hope to supply anybody - layman, student, practitioner or trainer - interested in the Feldenkrais method with some useful information for their work or education. Please feel free to send leads for missing titles or upcoming publications. Supplements and suggestions are always welcome and will make further updates more comprehensive. Authors or publishers of Feldenkrais related material can send free samples for the reference library at Feldenkraiszentrum Chava Shelhav, which is open to the public. Maling address: Inga Paas & Uwe Husslein, Subbelratherstr. 301, 50825 Köln / Germany, info@ingapaas.de Enjoy the reading!

November 01, 2012 The Feldenkrais Library, Part2

First of all I like to give thanks to all people for their feedback on our bibliography. We got responses not only from Germany. Senders from Austria, Suisse, Italy and Belgium, New Zealand, Australia, Hawaii, USA, Canada and Argentina gave proof that Feldenkrais really has become an international community. Thanks for your interest and encouragement.

Part II of the bibliography features two chpaters which can be downloaded from now on. Chapter 3 covers a list of books in various languages focusing on specific topics of the Feldenkrais method, e.g. Feldenkrais and sports, Feldenkrais and music. Chapter 4 affords a selection of books citing the Feldenkrais Method within the context of other body/mind methods. Due to the large amount of books on this topic, this chapter only presents a distinctive selection. The third and last part of the bibliography, covering Feldenkrais related magazines and multimedia products, will go online on December 1, 2012.

Also I like to thank those authors and publishers who supplied us with review copies of their work: blv Verlag (München), Hans Huber Verlag Bern, Loeper Literatur Verlag (Karlruhe); Trias / Thieme Verlag Stuttgart, NP Verlag Wien, Christian Waas (Deggendorf), Alan Questel (Santa Fe).

December 01, 2012 Finale! The Feldenkrais Library

It´s a wrap! – by putting chapter 5 & 6 online today we complete this feldenkrais library. When I started the project in summer I never expected that vast size – this applies especially for the multimedia section (chapter5) of the book. Quantitatively CDs and DVDs already have outnumbered the book titles. Basically in the USA we recognized a vast increase of Feldenkrais multimedia products in the past decade.

Chapter 6 features Feldenkrais related magazines. Some of them e.g. the german Feldenkrais Zeit or the US publications Feldenkrais Journal and Somatics feature all issues and articles. Further updates of the bibliography will try to complement missing titles and articles from other magazines as well. Supplements and suggestions are always welcome and will make further updates more comprehensive.

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